Wunderkind

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Wie habe ich herausgefunden, dass ich hochsensibel bin?

Meine Lieben <3

Ich bin super stolz und freue mich soooo sehr :), denn ab heute hat Wunderkind Karlsruhe einen Blog. Ich möchte euch hier Einblicke über mich, mein Leben und meine Praxis geben. Viel Spaß beim Lesen <3

In meinem ersten Beitrag, möchte ich euch darüber schreiben, wie ich meine Hochsensibilität entdeckt habe. 

Dazu müssen wir jedoch ein paar Jahre zurück gehen. Heute bin ich 32 und alles begann in meiner Kindheit. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, umringt von Wiesen, Wäldern und vielen Tieren. Die nächste größere Stadt war 20 km weg. Es war für mich ein wunderbares Dorfleben.

Wenn ich aus heutiger Sicht auf mein Leben damals zurück blicke, habe ich mich schon immer irgendwie anders gefühlt. Ich nahm schon sehr früh wahr, wie es meinen Eltern/Geschwistern ging und versuchte immer alles, dass sie sich gut fühlten. Im Kontakt mit anderen Kindern gab ich keine Widerworte, sie ärgerten mich, oder schlossen mich aus und ich ließ es über mich ergehen. Ich traute mich einfach nicht, denn ich wollte die anderen Kinder nicht vor den Kopf stoßen oder verletzen. Ich verletzte damit lieber mich selbst. Oft zog ich mich in meine eigene Welt zurück und lebte in meinen Träumen und meiner Phantasie. Meine eigenen Emotionen blieben oft in mir verborgen und ich traute mich nur in meinem engsten Familienkreis diese auszuleben.

Und ich sage es euch, wenn mich etwas beschäftigte, oder traurig machte, dann konnte ich tagelang dieses Gefühl haben. Richtige Freunde hatte ich in dieser Zeit eher wenige. Ich war im Kindergarten und der Grundschule immer sehr zurückgezogen und in mich gekehrt und die Lehrer machten sich oft Sorgen, dass ich Krank sei. Naja, sind wir mal ehrlich…ich war oft Krank. Mein Körper zog mich immer wieder aus dem Verkehr und ich hatte oft Probleme mit den Ohren und Erkältungen. Ich würde es schon fast so beschreiben, dass ich einen Pakt mit meinem Körper geschlossen hatte. Wollte ich zum Beispiel nicht zum Schüleraustausch oder hatte Angst vor einer Situation, so wurde ich einfach Krank. Das kling krass, aber mein Körper passte immer gut auf mich auf. Aber auch bei positiven Ereignissen wurde ich oft Krank, denn wer dauerhaft über deine emotionalen Grenzen geht, kann nur so Ruhe finden. Neben den Erkältungen hatte ich früh mit Allergien, Neurodermitis, Unverträglichkeiten und Asthma zu kämpfen.

Von damals habe ich noch in den Ohren “Oh ist sie schon wieder krank”, “Die ist aber arg sensibel”, “Was hat sie denn jetzt schon wieder” und “Soll sie sich doch mal nicht so anstellen”. (Lehrer, Erzieher etc.)

Das zog sich durch bis zur Realschule. Hier zeigte ich mich in der Pubertät von einer völlig anderen Seite. Ich rebellierte gegen alles und jeden. Begann schon früh zu rauchen, tobte mich an den Wochenenden mit Freunden aus, kam oft zu spät nach Hause, trank mit 14 zum ersten Mal Alkohol….             Ja ok, für die heutige Zeit ist das spät. Aber für meine Eltern trotzdem ein großer Schock. Denn meine zwei älteren Schwestern hatten nie so eine Phase. Die Kleinste tobte sich also richtig aus. Ich schaffte es dann sogar in der Schule zur Klassensprecherin und in den Schulrat, was Jahre zuvor nicht möglich war.

In dieser Zeit wurde es zuhause fast noch schlimmer. Ich lebte meine Emotionen nur in meinem gewohnten Umfeld aus. So verließ mich zum Beispiel mein erster Freund und erst zuhause bin ich völlig zusammengebrochen und habe drei Tage geweint. Ich habe alle Emotionen einfach immer nochmal stärker wahrgenommen, wie meine Mitmenschen. Oft kam ich mir komisch und anders deswegen vor. Denn ich kannte keinen, dem es genau so ging wie mir.

Und so packte ich die Emotionen noch ein Stück mehr in mich hinein und niemand konnte von außen wahrnehmen wie es mir wirklich ging. Ich wollte “normal” sein, wie alle anderen auch. Lange hielt ich diese reduzierten Emotionen nicht aus und es brach dann oft in meinem “Wohlfühlraum” aus mir heraus. Manchmal waren es kleine Dinge und trotzdem spürte ich sie so stark.

So schaffte ich es trotz allem, meine Ausbildung zur Erzieherin und danach mein Sozialpädagogik Studium zu meistern. Ich ließ weiterhin niemand an mich heran und versteckte meinen wahren Gefühle. Oft zeigte ich diese nicht mal bei meinem Partner, aus Angst er könnte mich nicht mehr mögen. Im Studium ging das Mobbing leider weiter und ich entschloss mich zu meiner ersten Therapie. Ich wollte endlich verstehen, was mit mir nicht stimmt und wieso die anderen Menschen so “normal” sind. Und wieso ich nicht in diese Welt passe. Die Therapie brachte mich mir ein Stück näher und ich konnte mein Studium abschließen. Zum Glück.

Vor fünf Jahren kam für mich dann die Rettung. Meine Mutter kam auf mich zu und erzählte mir von einem Fernsehbeitrag, in dem über Hochsensibilität berichtet wurde. Sie hätte mich darin erkannt und ich solle mich darüber informieren. Zwei Tage später schenkte Sie mir ein Buch über Hochsensibilität, welches Ich innerhalb von einem Tag durchgelesen hatte. Und plötzlich wurde es mir bewusst…ich bin hochsensibel!! Es vielen mir so viele Schuppen von den Augen. So viele Jahre hatte ich gedacht, ich sei verrückt und würde nicht in diese Welt passen. Das löste sich auf einmal auf und ich verstand, dass ich Besonderheiten habe, mit denen ich aber lernen kann umzugehen. Und dann kann ich ein ganz normales Leben leben.

Zum Glück fand ich eine Therapeutin, die sich auf die Hochsensibilität spezialisiert hat. Wir machten einen Test und es kam heraus, dass ich zu 100% hochsensibel bin. Seitdem begleitet Sie mich auf meinem Weg und ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Sie zeigte mir, wie ich mit meinen “weg gesteckten” Gefühlen besser umgehen konnte und wie sich die Hochsensibilität im Alltag integrieren lässt.

Beim nächsten Mal berichte ich euch, die Entstehungsgeschichte zu meinem Wunderkind.

Schreibt mir gerne in die Kommentare wie euch mein Beitrag gefallen hat und wie Ihr eure Hochsensibilität entdeckt habt. 

Alles Liebe, eure Julia <3

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